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Archive for the ‘Uncategorized’ Category

Die Schreibaufgabe #10 kommt von Hanna Mandrello HIER

Beim Einfügen in den Blog und erneutem Lesen der Aufgabe, muss ich feststellen, dass ich am Thema vorbei geschrieben habe. Vic! Thema verfehlt; setzen; „6“ 😀

Bei dem Titel „Future Love“ hätten ein paar Alarmglocken schrillen sollen, haben sie aber nicht. Ich war voll und ganz auf das Jahr 2065 fixiert, keine Ahnung, warum… Nachfolgend meine Version für das Leben im Jahr 2065 ohne „Love“ oder erstes Date:

Titel: Herzfehler

Baby in Klinik

Excel betrachtete seine Frau, die nervös an ihrem Daumennagel kaute. Er setzte sich neben sie, legte ihr den Arm um die Schultern und flüsterte ihr beruhigende Worte ins Ohr, obwohl er selbst bis zum Zerreißen angespannt war: „Lian, es wird alles gut. Sie werden unser Baby retten. Das ist eine Routine-OP hat mir Dr. Messerbruch versprochen. Alles vollautomatisch und schon hundertmal durchgeführt.“

Er streichelte ihr über den Rücken. Die türkisfarbenen Leuchtdioden auf der großen Uhr an der Wand zeigten 9:56 Uhr. Gleich war es soweit. Excel konnte nicht still sitzen, ging an den Automaten in der einen Ecke und sagte: „Zweimal Kaffee“ und schon schossen 2 Becher unten aus der Öffnung, die sich mit der schwarzen Brühe füllten. Aus dem Lautsprecher fragte eine metallische Stimme: „Milch? Zucker?“ Abwesend schüttelte Excel den Kopf, den Blick halb auf Lian gerichtet. „Milch? Zucker?“ fragte die Stimme erneut. Ungeduldig riss Excel die Becher aus der Vorrichtung und setzte sich wieder neben Lian, über deren Daumen schon ein kleines Rinnsal mit Blut lief. Er reichte ihr einen Becher, holte schnell ein Papiertaschentuch aus seiner Hosentasche und legte es um ihren Daumen. Nicht dass der Alarm wegen einer offenen Wunde und Blut los ging. Als die Becher geleert waren, saßen sie Arm in Arm auf der hellgrünen Kunststoffbank, versuchten ruhig zu bleiben und sprachen sich gegenseitig Mut zu.

~

Dr. Messerbruch schaute auf seinen Wandbildschirm. Einige Male hatte er ähnliche Operationen durchführen lassen, dennoch war er immer ein wenig nervös. Was sollte schon schief gehen? Die vollautomatisierte Anlage, in der Roboter hin und her fuhren, sirrende Geräusche von sich gaben, ihre Greifarme überall hatten und die computergesteuerten Systeme, die den kompletten Vorgang selbstständig übernahmen, wirkten noch immer beruhigend auf ihn. Die Techniker hatten die Operation Hf7811X in die Systeme einprogrammiert, mehrmals überprüft, wie es Vorschrift war, und frei gegeben. Während des Eingriffs saßen die Techniker und Ärzte in Räumen nebenan und verfolgten das Geschehen, konnten notfalls unterstützend eingreifen. Solange Dr. Messerbruch in diesem Komplex arbeitete, war das noch nie der Fall gewesen.

Er erinnerte sich an die Geschichten seines Urgroßvaters, der auch Arzt gewesen war, der ihm erzählt hatte, dass zu seiner Zeit im Operationsraum noch richtige Ärzte am Menschen operiert und sich Krankenschwestern um die Patienten gekümmert hätten. Dr. Messerbruch hatte diesen Erzählungen immer fasziniert und mit Spannung gelauscht und konnte sich selbst nicht vorstellen, wie es sich anfühlen sollte, einer lebenden Person mit einem Messer den Brustkorb aufzuschneiden. Überall würde das Blut hin spritzen, seinen weißen Kittel und seine Hände besudeln. Dr. Messerbruch schüttelte sich bei den Gedanken, kehrte wieder in die Realität und zu seinem Bildschirm zurück.

Die erst eine Woche alte Xena war auf dem riesigen Tisch kaum zu erkennen, verschwand unter grünen Tüchern, hinter den Greifarmen, Schläuchen und Monitoren. Überall blinkten gelbe, rote und grüne Lichter. Dr. Messerbruch kannte die Bedeutung jeder einzelnen Lampe, wusste, welche Meldungen die Monitore anzeigten.

Pünktlich um 10:00 Uhr blinkte oben links auf seinem Bildschirm das grüne „Go“-Zeichen auf. Es ging los. Mit den Händen in den Taschen verfolgte Dr. Messerbruch die Abläufe. 60 Minuten hatten sie einprogrammiert, dann war es vorbei. Die Aktion würde keine drei Minuten dauern, aber es war besser mehr Zeit zu veranschlagen, damit kein Zweifel entstand, dass nicht alles getan worden sei. Er sah die Eltern, Excel und Lian, die draußen auf dem Flur saßen und hoffnungsvoll darauf warteten, ihr Baby bald wieder gesund zu wissen und in die Arme schließen zu können, auf einem anderen Monitor. Sie waren aus der unteren Schicht, einfache Menschen, die in der Kantine des Fahrzeugherstellers Mobiltec3000 arbeiteten. Sie wachten darüber, dass die Belegschaft genügend Essen und Getränke in den Theken und Vitrinen vorfand.

~

Seit es die aktuelle Regierung vor zwei Jahrzehnten an die Spitze geschafft hatte, veränderte sich das Leben zunehmend, es wurde weiter modernisiert und auf den allerneusten Stand der Technik gebracht. Dr. Messerbruch gefiel das, dieses angenehme Leben, in dem man nur darauf achten musste, dass alles seinen gewohnten Gang beibehielt. Die Schilderungen seines Urgroßvaters erheiterten ihn jedes Mal, wenn dieser ihm erzählte, dass sie früher in Supermärkte gefahren waren, um Lebensmittel und andere Produkte einzukaufen. Alleine schon das Wort: S u p e r m a r k t. Er musste sich in seinem Wohnbereich nur vor einen der Bildschirme stellen, sagen, was er brauchte und es wurde ihm innerhalb von wenigen Sekunden geliefert. Er entnahm den gewünschten Artikel einfach aus einem eigens dafür vorgesehenen Schacht neben der Wohnungstür. Küchen, wie sie sein Großvater ihm beschrieben hatte, gab es in ihrer modernen Welt nicht. Der Gedanke daran, dass damals Tiere nur zu dem Zweck gezüchtet wurden, um sie aufzuessen, jagte ihm einen Schauer über den Rücken.

*

Jedem Neugeborenen wurde nach der Geburt direkt ein Chip in den Oberarm eingepflanzt, auf dem alle Daten seines zukünftigen Lebens gespeichert waren. So wusste das Staatssystem zu jeder Zeit, wie es seinem Volk erging. Alle Bürger lebten nach einem vorgegebenen Plan, hatten Arbeit, ihre Familien, ihre Bleibe, kleine oder große Wohnung, je nach Status. Es gab so gut wie nie Streit oder sonstige negativen Auswirkungen. Kaum einer lehnte sich gegen das System auf, das ihn so umsorgte und schützte. Eheleute in den unteren Schichten durften ein Kind bekommen, je höher man im Status und Ansehen war, desto mehr Kinder durfte eine Familie haben, aber nie mehr als drei. Es wurden nur gesunde Kinder akzeptiert, aber der Großteil der Bürger wusste das nicht.

Das Staatssystem erwartete, dass sich Frauen künstlich befruchten ließen, aber es kam vor, besonders in den unteren Schichten wie bei Lian, dass eine Frau auf natürlichem Weg schwanger wurde. Dr. Messerbruch konnte sich nicht erklären, wie Lian es geschafft hatte, am System vorbei schwanger zu werden. Das musste aber nicht seine Sorge sein. Das Staatssystem würde sich darum kümmern und hatte sofort reagiert und Maßnahmen ergriffen, als der Chip meldete, dass Xena mit einen Herzfehler zur Welt gekommen war.

Genau diese Maßnahme wurde soeben ausgeführt. Ein Blick auf den Bildschirm sagte Dr. Messerbruch, dass es für ihn an der Zeit war, zu den Eltern hinaus zu gehen. Innerlich wappnete er sich und setzte seinen Trauerblick auf, rief sich den einstudierten Text ins Gedächtnis:

Lian, Ecxel, es tut mir aufrichtig Leid. Es wurde alles in unserer Macht stehende und menschenmögliche getan, um Ihrer kleinen Xena zu helfen, aber leider kam es zu einem Herzstillstand, eine Reanimation blieb erfolglos…“

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[5-Minuten Prosa] Shoppingtour

Ich stehe vor der Boutique und streichle einen Kashimir-Pullover. So zart fühlt sich das an. Schon kommt die Verkäuferin heraus und nimmt den Pullover vom Bügel und hält ihn mir hin.

„Dieser Pullover schaut bestimmt exzellent an Ihnen aus. Kommen Sie herein und probieren Sie ihn an,“ lädt sie mich ein, hält mir die Tür zur Boutique auf und führt mich zur Kabine. Während ich den Pullover überstreife, höre ich sie draußen neue Pullover zusammen suchen, die sie mir kurz darauf bringt. Ich ziehe Pullover um Pullover an, trete aus der Kabine, um mich im Spiegel zu betrachten.

Zu jedem Pullover weiß die Verkäuferin ein Kompliment zu machen, das mir schmeichelt. Unschlüssig zucke ich mit den Schultern und ziehe mich in der Kabine wieder um.

„Ich kann mich nicht entscheiden, komme später noch einmal zurück.“ Ich nehme meine Tasche und gehe Richtung Tür.

„Soll ich Ihnen den Pullover vielleicht zurück legen, Frau… Wie ist noch gleich Ihr Name?“ flötet die Verkäuferin, in deren Gesicht sich schon der Stress abzeichnet, sie aber weiterhin freundlich lächelt. Ich winke ab und verlasse die Boutique.

Eine Etage tiefer ist der Schuhsalon. Ich nehme einen braunen Pumps aus dem Regal und schon steht die Verkäuferin neben mir: „Soll ich Ihnen den zweiten Schuh holen? Die Farbe sieht bestimmt ganz wunderbar an Ihnen aus und passt perfekt zu Ihrer Kleidung.“

Da ich nicke, verschwindet sie im Lager, ohne mich nach meiner Größe gefragt zu haben. Ich betrachte mich im mannshohen Spiegel. Das Prada-Kostümchen umspielt perfekt meine Figur. Die Haare habe ich mir zu einem komplizierten Dutt hoch gesteckt, nur ein paar winzige Löckchen umrahmen mein Gesicht. Die Handtasche ist ebenfalls von Prada, die Farbe passend zum Kostüm und zu den Schuhen.

Die Verkäuferin reicht mir die Schuhe und bittet mich Platz zu nehmen. Aus dem hinteren Raum kommt ein elegant gekleideter Mann, der mir ein Glas Champagner reicht, an dem ich nippe. Ich probiere braune, blaue, grüne und schwarze Schuhe, mit wenig Absatz, mit hohem Absatz, in Leder und Lack. Nach 2 Gläsern Champagner stehe ich auf und verkünde, dass ich mich heute nicht entscheiden könne. Der elegante Herr, bestimmt der Besitzer, und die Verkäuferin schütteln bedauernd die Köpfe.

„Soll ich Ihnen die Schuhe reservieren, Frau…? Wie ist noch gleich Ihr Name?“ Der Herr haucht mir einen Kuss auf den Handrücken. Ich winke ab und gehe zur Tür, die er für mich aufreißt.

Ein Blick auf die Uhr sagt mir, dass ich zurück muss. Zu gerne wäre ich noch bei Feinkost-Käfer vorbei gegangen, aber ich habe zu viel Zeit im Schuhsalon verplempert.

Drei Stunden später steht der grüne Audi wieder in der Garage, das Kostümchen ist gelüftet und hängt im Schrank, das Haus ist geputzt und aufgeräumt. Wenn Frau Professor Dr. Gersting in der Nacht von Ihrer zweitägigen Dienstreise zurück kommt, findet sie alles wie gewohnt vor. Wie immer, wenn sie mir, ihrer Putzfrau, den Schlüssel überlässt, damit ich im Haus für Sauberkeit und Ordnung sorge.

[Ist eine 11-Minuten Prosa geworden]

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[Schreibaufgabe #8] Konrad Herrmann

Er braucht Koffein und Ablenkung. Im nahe gelegenen Café sucht er sich einen Platz am Fenster aus. Viel gibt sein Budget diesen Monat nicht mehr her, aber für ein paar Tassen Kaffee, schön heiß und stark, wird es noch reichen.

Am Tisch ein paar Meter weiter sitzt sie. Elegant, frisch vom Frisör, wie ihm scheint, goldene Kette, teure Armbanduhr. Große Lacklederhandtasche auf dem Stuhl daneben platziert. Er kommt sich vor wie ein Teenager, der sich gerade verliebt hat, muss sich anstrengen, nicht dauernd zu ihr hinüber zu starren. Eilig richtet er sein Augenmerk wieder auf die Zeitung, die er auf dem Tisch neben seiner Tasse aufgeschlagen hat. Dennoch wandert sein Blick wieder zu ihr, um dann verstohlen zur Zeitung zurück zu kehren. Ein Lächeln umspielt ihren Mund. Sein Kopf ist mit Sicherheit genauso rot wie ihr Lippenstift. Als er das nächste Mal nach oben sieht, steht sie direkt an seinem Tisch. Fast fällt er vom Stuhl, er benimmt sich wirklich wie ein Teenager, besinnt sich aber und rückt ihr einen Stuhl gegenüber seinem Platz zurecht, bestellt bei der drallen Kellnerin zwei Kaffee.

Als die Dame die Beine übereinander schlägt, bemerkt er ihre schönen schlanken Füße, die in schwarzen Lackpumps, 2,5 cm Absatz, stecken. Wie gerne hätte er sie gestreichelt, die Füße, von der Feinstrumpfhose umhüllt, <>, Farbe Mandel, damit kennt er sich aus.

Die Feinstrumpfhose knistert bei der Berührung an seiner Hand, nicht nur seine Nackenhaare stellen sich auf, es ist ein unbeschreibliches Gefühl, warm und wohlig, das er früher so oft erlebt hat. Es gibt für ihn nichts Schöneres, als Damenfüße in Feinstrumpfhosen und edlen Schuhen.

Er versinkt in Erinnerungen an seine Anfangszeit als Verkäufer im Schuhhaus „Kronauer“, später im eigenen Geschäft „Konrad Herrmann’s Schuhsalon“. Damals gab es noch jede Menge Damen, die sich in Schuhgeschäften beraten ließen und einkauften. Feinstrümpfe und Strumpfhosen ergänzten sein Warensortiment. Zu einem eleganten Schuh gehörte ein feiner Strumpf, das war seit jeher seine Devise. Im Laufe der Jahre wurden die Schuhgeschäfte immer weniger, verdrängt von großen Warenhäusern, in denen die Schuhe halb so viel kosteten. Die Kundinnen wurden immer jünger, brachten nur alles durcheinander, ohne etwas zu kaufen. Bei der Anprobe benötigten sie auch keine Hilfe, schon gar nicht von einem Mann. Er hatte seinen Schuhsalon so lange gehalten, viel zu lange, obwohl er kaum noch etwas verdiente. Er konnte sich einfach nicht vorstellen, etwas anderes zu machen, als Schuhe zu verkaufen. Die Warenhäuser und das Internet hatten ihn längst überholt und abgehängt. Heute war sein letzter Tag gewesen. „Konrad Herrmann’s Schuhsalon“ war endgültig Geschichte. Er informierte niemanden, außer den Lieferanten und der Bank wusste keiner Bescheid. Seine Niederlage behielt er lieber für sich, wollte das nicht an die große Glocke hängen.

Weil keine Kundschaft kommt, schließt er vorzeitig und stiehlt sich davon.

Deshalb ist er jetzt im Café, um sich abzulenken, es ist sein erster und gleichzeitig sein letzter Besuch. Die Dame vom Nachbartisch ist das Sahnehäubchen, die Krönung seines ansonsten beschissenen Tages. Ein wehmütiger Seufzer entweicht ihm. Morgen wird ein anderer Geschäftsmann seinen Laden übernehmen, neu einrichten, eröffnen und etwas verkaufen, Schuhe wären das nicht, Frauenfüße würden dort nicht mehr verwöhnt werden.

Hysterisches Gezetere neben ihm. Er schaut auf, sein Blickfeld ist auf Tischkantenhöhe. Er ist so in Gedanken versunken, dass er nicht bemerkt, was er getan hat. Die Kellnerin steht am Tisch, das silberne Serviertablett über dem Kopf erhoben, als wolle sie es ihm über den Schädel ziehen. Die Gäste an den anderen Tischen tuscheln mehr oder weniger leise hinter vorgehaltenen Händen. Er kniet tatsächlich neben dem Tisch und schafft es nicht, sich zu erheben, am liebsten wäre er im Boden versunken. Hat er ihr etwa die Füße gestreichelt oder gar geküsst?

Das Glöckchen an der Tür läutet. Als ob das ihr Signal ist, springt die Dame vom Stuhl auf, reißt Handtasche und Mantel mit sich, stürmt in Richtung Ausgang. Er schaut ihr nach. In der Tür steht seine Frau Margot. Er ist verwirrt, sie hat er ganz vergessen, es soll ein besonderes Abendessen geben, deshalb ist sie einkaufen gewesen. Zur Feier des Tages, wie Margot sagt. Als ob es für ihn etwas zu feiern gäbe. Endlich kommt er auf die Beine.

„Margot! Hast du alles bekommen, was du haben wolltest?“

Die Kellnerin knallt wortlos die Rechnung auf den Tisch, marschiert zur Theke zurück.

„Ja.“ Seine Frau steht im Türrahmen, der Einkaufskorb hängt schwer an ihrem Arm. Margots Blick wandert von ihm zur Kellnerin, zur Dame, die nicht hinaus kann, und wieder zurück.

Er fummelt einen Schein aus der Brieftasche, wirft ihn auf den Tisch: „Dann lass‘ uns jetzt gehen!“

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[Schreibaufgabe #7] Nächtliche Begegnung

Aaah, der Franz ist hinter mir her! Einer der erklärten Lieblinge der Familie. Sollte der nicht längst im Bett liegen und schlafen? Was mache ich nur? Ich muss mich verstecken. Wenn der sieht, dass ich was von seinem Teller stibitzt habe, bringt der mich um. Was lässt der auch immer etwas übrig.

Ich flitze durch den Garten. Am besten hinter den dicken Baum. Dann bin ich in der Nähe der Terrassentür und kann schnell hinein verschwinden. Gott sei Dank ist es heiß und die Tür steht auch nachts einen Spalt offen. Wenn mich nur keiner bemerkt, sonst bricht hier wieder die Hölle los. Alle Familienmitglieder drehen durch und rennen kopflos hin und her.

Auf meinem Weg zum Baum befindet sich ein Haufen, aber keiner von den Maulwürfen, die werden systematisch ausgerottet. Ein brauner und stinkender Haufen, eine Hinterlassenschaft von Benno, ein weiterer erklärter Liebling der Familie. Ich kann gerade noch ausweichen, den Gestank bekomme ich sonst tagelang nicht aus der Nase, wenn ich da mitten durch renne.

Schnell verschwinde ich hinter dem Stamm, mache mich ganz schmal und halte nach Franz Ausschau. Der ist weg!

Ich blicke nach oben. Finsternis und zwei grüne Augen starren mich an. Ist der doch auf den Baum gewischt, ohne dass ich es bemerkt habe. Hier kann ich nicht bleiben. Ich renne weiter zur Terrassentür, die gerade vom Hausherrn geschlossen wird. Mist aber auch! Auf der einen Seite steht der Kleintierkäfig. Keine Ahnung, ob da jemand drin wohnt. Das Lieblingskind will zwar immer neue Tiere, kümmert sich dann aber nie darum. Weil die Käfigtür nach oben geschoben und offen ist, gehe ich davon aus, dass es unbewohnt ist. Hoffentlich liegen keine Leichen herum. Egal, ich wähle das kleinere Übel und husche hinein, verstecke mich unter dem Heu, das schon muffig riecht. Vorerst bin ich in Sicherheit und hole tief Luft.

Aargh! Die Käfigtür wird geschlossen, ich höre es mehr, als dass ich es sehe. Klappe zu, Affe tot. Eher Klappe zu, Maus tot. Der fette Franz-Kater sitzt direkt über mir auf dem Käfiggitter und grinst mich dämlich an.

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[Schreibaufgabe #6] Täterkrimi

Ich steh am offenen Grab und heule
um meine kleine Nachteule

Der Diva, der ich mein Herz vergab
die meinem Charme nicht immer treu erlag

Ich hab ihr alle Geliebten verziehen
bin ihr ergebener Ehemann geblieben

Bis zu jenem Tag
an ihrer Untreue zu mir es aber nicht lag

Das jährliche Sommerfest steht an
bei mir, dem Selfmade Multimillionärs-Mann

An die hundert Gäste wird der Garten fassen
es wird nichts dem Zufall überlassen

Champagner und Whiskey fließen in Strömen
es soll meine Gäste so richtig verwöhnen
Lachs und Kaviar sind zur Stelle
ein 5-Sterne Koch schwingt am Buffet die Kelle

All die Jahre zuvor
macht sich jemand zu schaffen an meinem Tresor

Geraubt wird von materiellem Wert
der Verlust trifft mich nicht allzu schwer

Meine Priscilla ist der wahre Schatz
auch wenn sie viele Männer hat
sie weiß genau, bei mir ist ihr Platz

Sie ist nicht nur schön und elegant
sie regiert mein Haus mit femininer Hand

Dafür schwebt sie auf Wolke sieben
im Reichtum, wie wir es lieben

Vielmehr meine Ehre ist gekränkt
wenn sich einer in meinem Safe verfängt

Ich bin Detlef Dorn
so leicht jagt mich keiner ins Boxhorn

Vorkehrungen sind getroffen
mit Geld stehen Möglichkeiten offen

Das soll sich nicht wiederholen
Ein Auftragskiller ist befohlen

Versteckt im Büro beim Tresor
soll er töten, egal, wer steht davor

Jeder der in die Nähe geht
dem wird das Hirn weggeweht
der einen Schuss in den Kopf riskiert
Priscilla wäre pikiert

Das rauschende Fest geht zur Neige
der Musiker spielt sein letztes Lied auf der Geige

Alle Gäste verlassen mein Haus
Das Fest ist endgültig aus

Ich bin gespannt
welch toter Mann
auf dem teuren Perser liegt
den Kopf mit Löchern wie ein Sieb

Oh Schreck
welch roter Fleck

Ich kenne das Kleid
Es tut mir so leid

Das goldene Gewand
meine eigene Frau ich fand

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[Schreibaufgabe #5] Mein kleiner Ritter

Immer wenn der Ritter in meinen Träumen erscheint, und das macht er jede Nacht, wache ich schweißgebadet auf, brauche einige Minuten, um mich zu orientieren, bis ich realisiere, dass ich zu Hause neben meinem Mann Anton im Bett liege.

Ich schleiche in die Küche und mein Gewissen verfolgt mich. Als ich den Kühlschrank öffne, um mir die Milch heraus zu nehmen, greifen kalte Hände nach meinem Hals, die mir die Luft abschnüren. Ich wanke zum Tisch, lasse mich röchelnd auf einen Stuhl fallen.

Der blonde Haarschopf meines Sohnes schiebt sich in meine Gedanken, blaue Augen strahlen mich an. Das Faschingsfest im Kindergarten feierte Sascha als Ritter, der mit seinem Pappschwert wilde Gesten vollführte und damit alle imaginären Feinde in die Flucht schlug. Nach der Feier kehrten wir zu zweit zu uns nach Hause zurück. Sascha spielte im Garten alleine weiter, trotz der kalten Jahreszeit, während ich in der Küche das Abendessen kochte, immer einen Blick aus dem Fenster werfend, um nach meinem Ritter zu sehen.

Ich weine in mich hinein, leise, ich will Anton nicht stören, möchte mir am liebsten die Haare ausreißen und laut schreien.

In meinem Kopf vermischen sich die Stimmen, die auf mich einstürmen. Der Psychiater, bei dem ich in Behandlung bin, der mir jedes Mal geduldig zuhört und mir vorkaut, dass mich keine Schuld treffe. Anton, der beruhigend auf mich einredet, obwohl er mit seiner eigenen Trauer beschäftigt ist. Meine Mutter, in Tränen aufgelöst wie ich, die sagt, dass die Zeit alle Wunden heile. Der Psychiater, der mir etwas verschreiben will, damit ich besser durch die Tage und Nächte komme. Und der kleine schwarze Mann in meinem Kopf, der sich manchmal als Ritter verkleidet zeigt, der den anderen unermüdlich widerspricht und sagt, dass ich an allem Schuld sei. Sehr oft glaube ich ihm und lese den Zeitungsartikel, den er mir hinter meiner Stirn vorhält: „5-jähriger Junge stürzte im heimischen Garten vom Klettergerüst, starb noch im Krankenwagen an den inneren Verletzungen. Der Notarzt wurde erst 30 Minuten nach dem Unglück alarmiert, aber nicht von der Mutter, die beim Unfall auf den Jungen aufpasste, sondern von dem Vater, der von der Arbeit nach Hause kam und den Sohn reglos im Garten liegend vorfand. Einem Sprecher der Polizei zufolge wurden gegen die Mutter keine Ermittlungen eingeleitet. Der Sprecher sagte, es sei ein tragischer Unfall gewesen.“

Ich verfalle in diese Schockstarre, wie auch schon an dem Unglückstag, sitze da und bin unfähig etwas zu unternehmen, bis mich Anton am kommenden Morgen findet.

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[Schreibaufgabe #4] Drabble; Thema: Zirkus]

Titel: Zirkusleben

Mein Herz schlägt für den Zirkus.

Mit den Wohnwagen in einer langen Karawane quer durch die Republik ziehen.

Alle Artisten und die Tiere sind eine große Familie.

Sie leben zusammen,
essen zusammen,
arbeiten zusammen.

Seit ich denken kann träume ich mich in die Manege, allabendlich vom Publikum umjubelt.

Mit den Clowns Späße machen,
die Löwen bändigen,
auf dem Hochseil balancieren,
stehend auf dem Pferderücken Kunststücke vollführen.

Dem ständig wechselnden Publikum ein Lächeln in die Gesichter zaubern
oder ein Staunen.
Oft fließen Tränen.

Wie bei mir.

Es muss ein Traum bleiben. Im Rolli gefangen, kann ich die Arbeit im Zirkus vergessen.

[Drabble: 100 Wörter. Der Titel zählt nicht mit.]

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[Schreibaufgabe #3] In stürmischen Gewässern

Oben auf dem Leuchtturm stehst du.

Horizont und Meer gehen grau und konturlos ineinander über.

Ich strecke meine Hände nach dir aus.

Unerreichbar.

Du verweigerst mir Antworten.

Wie zuvor auch.

Ich hätte sowieso nichts gehört.

In meinen Ohren tost die Brandung, die wütend an den Klippen aufschlägt. Ein Windstoß reißt mich fast davon, sprüht mir Nebel ins Gesicht, Tränen, die aus dem Meer kommen.

Salzig.

Dich zerrt der Sturm zuerst in den Himmel hinauf, um dich unerbittlich in den stürmischen Gewässern verschwinden zu lassen.

Endgültig.

Die leere Stelle brennt sich in meine Augen, vermischt mit dem Salz. Es ist, als ob du nie da gewesen wärst.

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[Schreibaufgabe #2] Liebe Beate

Liebe Beate,

ich muss Dir einfach schreiben. Meine Gefühle für Dich sind so überwältigend, müssen heraus aus mir, sonst explodiert es – in mir.

Deine Haut glänzt wie der frisch aufgetragene Teer auf der Autobahn, auf der ich jeden Morgen, wenn ich zur Arbeit fahre und abends wieder heim, im Stau stehe, wegen dieser gottverdammten Baustelle.

Wenn ich Dir in die Augen schaue, die so verlockend glänzen, stelle ich mir vor, wie das heiße Fett aus dem Frittiergerät in die Tonne läuft, die unter meinem Küchenfenster steht, in der es entsorgt werden soll, an dem ich meine Feierabendzigarette rauche. Jeden Abend oder zumindest einmal in der Woche abends schütten der Koch und sein Gehilfe das alte Fett in die Tonne hinein.

Dein Körper ist so rund wie die Dampfwalze, die den Asphalt plättet, lässt mich auch an meine Lieblingstiere im Zoo denken. Welch‘ gelungene Verbindung, Nilpferde und Du.

Dein Mund erinnert mich an die Fische im Aquarium meiner Mutter, wenn ich ihnen Futter hinein streue, deren Münder gehen immer auf und zu, auf und zu, wie Deiner, wenn Du dich erschreckst. Am liebsten würde ich dann die Scheibe am Aquarium knutschen, um Dir nah zu sein.

Dein Duft gleicht dem aus dem nahen Frisiersalon, an dem ich nie vorbei gehen kann, bei dem sommers wie winters die Tür offen steht. Von dem Geruch kann ich nicht genug bekommen. Manchmal verstecke ich mich hinter der mannshohen Angebotstafel, die auf dem Trottoir steht, nur um diesen Geruch einzuatmen und auch, um ein wenig den Gesprächen der Kundinnen zu lauschen. Solche Themen werden bei uns am Stammtisch nie besprochen. Kaum auszudenken, was Fischkopp-Manni sagen würde, wenn ich ihm von der Niederkunft des Söhnchen Nicolas von Prinzessin Madeleine erzähle, den phantastischen Fotos aus dem Schloss Solliden auf Öland und dass ich mir alle verfügbaren Videos angesehen habe. Oder die Hochzeit von Carl Philip und seiner Sofia, die ich mit Mutter im TV verfolgt habe, die ein Traum war. Wenn ich richtig reich wäre, würde ich genauso heiraten wollen, mit allem Pomp und Gloria. Ach, scheiß drauf, viel Geld werde ich nie haben, aber heiraten werden wir auch schön, wenn es denn mal soweit ist. Meine Mutter hilft uns bestimmt.

Ich könnte noch ewig so weiter schwadronieren, aber Mutter ruft zum Essen. Sie hasst nichts mehr als Unpünktlichkeit, ich will aber vorher schnell noch einen Edelweiß zwicken und eine rauchen. Ich grüße Dich, in Liebe Beppo

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Ich bin ein Lemming. Das gilbt fürs Stricken, Lesen und auch fürs Schreiben. Als ich den Beitrag bei Hanna Mandrello gelesen hatte, war sofort klar, das muss ich auch haben.

Die Verpackung ist etwas ramponiert, dafür gab es das Set zum kleinen Preis. Die Karten sind heil und original verpackt.

Ich gehe dann mal Karten mischen, sortieren und mich von der Muße inspirieren und küssen lassen…

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