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Ich lehne mein Rad an einen Zaun und zünde mir eine Kippe an. Herrgott, jetzt paffe ich hier am Waldrand. Wie schnell wäre ich mit dem Auto im Büro gewesen, aber meine Frau will unbedingt, dass ich abnehme. Das Risiko der Erkrankungen sei zu hoch, sagt sie. Dass mich bei meinem Job einer erschießen könnte, erwähnt sie hingegen nicht. Das Präsidium hat mir eben am Telefon mitgeteilt, dass wir zu einer Leiche auf den Bauernhof nach Söderau müssen. Ich bin 25 Kilometer davon entfernt. Zum Präsidium sind es 10, von da könnte ich mir einen Dienstwagen nehmen. Was für eine Zeitverschwendung. Meine Assistentin Katrin ist schon vorgefahren, sagt sie zu mir, als ich sie anrufe. Mein Fahrrad hätte locker in ihren Kofferraum gepasst.

In ein Fitnessstudio gehe ich nicht, habe erstens keine Zeit und zweitens will ich mir nicht die Kerle angucken, die ihre Muskeln auf und ab wippen lassen und mit dem eigenen Spiegelbild kokettieren. Wie komme ich mir da vor? Zur Frittenbude muss ich zukünftig meinen Kumpel Arno von der Spusi schicken. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass meine Frau ganz zufällig dort vorbei kommt. Rohkost, Gemüse, Wasser, Kaffee ohne Milch. Ich hasse schwarzen Kaffee. Arno kann Currywürste, Fritten und Burger ohne Ende in sich hinein schaufeln, dem sieht man nichts an. Ich gucke einmal in Richtung Frittenbude und zack, habe ich 1 Kilo mehr. Später schaue ich im Supermarkt vorbei, ob es eigentlich Diätbier gibt. Wenigstens ein bisschen Geschmack nach Bier und eine kleine Freude muss mir doch bleiben.

Das Fahrrad lasse ich direkt vor dem Präsidium stehen, unabgeschlossen. Hoffentlich wird es geklaut!

Vollkommen außer Puste falle ich auf den Sitz des Dienstwagens, erreiche bald Söderau und damit den Tatort. Ich sehe einen See aus Milch, der sich rot färbt. Kurz denke ich an die vielen Kaffees, die ich damit aufhellen könnte. Katrin sieht schon wieder so aus, als ob ihr nicht gut sei. Wann gewöhnt sie sich endlich an den Anblick von Leichen?

Wer bringt denn einen armen Milchbauern so bestialisch um? Die verdienen doch nichts, wofür es sich lohnt, zu morden. Schuften sich krumm und buckelig und dann reicht es am Ende des Monats kaum, um über die Runden zu kommen. Der Körper des alten Mannes ist durchlöchert wie ein Sieb. Jemand hat furchtbar gewütet. Die Kübel, in denen die Milch gewesen ist, liegen kreuz und quer verteilt. Die Mistgabel, das Tatwerkzeug, wie mir scheint, lehnt an einem Heuballen, versifft bis zum Abwinken. Hoffentlich finden sich genug Spuren vom Täter daran.

Ich ignoriere meinen knurrenden Magen, zünde mir eine weitere Kippe an und schicke die blasse Katrin raus auf den Hof. Ich muss jetzt wirklich bald mal ein ernstes Wort mit ihr reden. 447 Wörter

 

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