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Posts Tagged ‘Verbotene Liebe’

Ich schreibe!

Ich schreibe gerne und viel!

Das ist mein Ding. Schon seit langer Zeit. Ich kann mich dabei wunderbar erholen, ausdrücken, gedanklich sortieren. Bislang waren es Kurzgeschichten, aber jetzt soll es endlich ein Roman sein! Der NaNoWriMo bietet dafür die Gelegenheit, in 30 Tagen 50.000 Wörter (!) schaffen zu können. Das ist ein anderes Kaliber, als bei den zuvor geschriebenen Kurzgeschichten. 2013 ist mein dritter Start beim NaNoWriMo. Diesmal will ich das tägliche Soll schaffen, mich von nichts und niemandem abhalten lassen.

Der innere Schweinehund hat noch keine überzeugende Arbeit geleistet, warum ich am Tag die 1.667 Wörter NICHT schaffen sollte.

Der innere Zensor hingegen bemüht sich mehr als redlich, mich abzuhalten. Der hat immer etwas zu nölen und oft genug bin ich gewillt, dem zu glauben. Ich habe einen Thriller geplant, aber es entwickelt sich ein Krimi, ein Regionalkrimi. Will ich das? Ich hatte im Vorfeld die Geschichte, die Haupt- und eine paar Nebenfiguren, die örtlichen Gegebenheiten, die zeitliche Gegebenheit, den Plot im Plot… geplant.

 
Bis zum Tag 8 war alles im grünen Bereich, aber jetzt schleicht sich der Grömmitz in die Geschichte ein. Will ich das? Ich wurde gar nicht gefragt, es ist einfach gelaufen und ich habe es geschehen lassen. Bin ich nicht mehr Herr über meine Figuren oder über meine Geschichte? Fehlt es an Vorbereitung? Ich erlaubte dem Grömmitz, sich in meine Geschichte zu stehlen. Ich schwöre, der Text zu „Doppeltes Spiel“ hatte mit dem Grömmitz und seinen Kollegen nichts zu tun. Das war etwas ganz anderes, keine Vergleiche, keine Ähnlichkeiten, keine Überschneidungen, nichts! Trotzdem ist der jetzt da!

Was mache ich jetzt? >> Weiter schreiben. Was soll ich sonst tun?

Noch 380 Wörter für heute. 😉

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Tag 1

20:17 Uhr

Ich habe 2.277 Wörter geschrieben, gar nicht so schlecht für den ersten Tag! Aber… es dauerte wieder eine Ewigkeit, bis ich ins Schreiben gefunden hatte. Begonnen hatte ich morgens schon um 10 Uhr rum, dann aber wieder vor dem PC herum gelümmelt und keinen rechten Einstieg gefunden, hier und da im Internet geschaut, gearbeitet, einkaufen gewesen, Spülmaschine ausgeräumt und schon war es 16:00 Uhr. 😉 Um überhaupt in den Fluss zu kommen, habe ich meine Notizen vom iPad in den PC übertragen (1.142 Wörter), dann aber doch im Text den Anfang gefunden (1.135 Wörter). Somit zählen für den eigentlichen Text nur die 1.135 Wörter. Jetzt noch einmal ranglotzen, um den Rest der Wörter auch noch zu schaffen. Nicht schon am ersten Tag ins Minus kommen. Neeeeeeiiiiin! Die restlichen Wörter schaffe ich noch! Bestimmt. Es fehlt nicht mehr viel…

20:30

Noch 464 Wörter. Meine Lieblingsserie darf ich erst schauen, wenn ich die Mindestzeichenzahl im Kasten habe. Ich motiviere mich. 🙂

20:57

Ein Prolog wäre nicht schlecht, somit füge ich den noch ein. Passt ja gut bei einem Thriller, stimmt auf die zu erwartende Geschichte ein. Ich lese Prologe, auch Epiloge gerne. Manchmal sogar die Danksagungen, obwohl ich keinen der Genannten kenne. Egal.

21:12

Noch 311 Wörter ~ Das bekomme ich hin. Ich habe mir musikalische Untermalung von Amy McDonald geholt. Ich gehe auf keinen Fall ins Bett oder sonst wo hin, ohne die 1.667 Wörter geschrieben zu haben!

22:34

Geschafft! 1.675 Wörter in „Doppeltes Spiel“ sind geschrieben und im Kasten. Lieblingsserie gucken. Jawoll. Das habe ich mir verdient. Womit ich mich am Samstag und Sonntag ködere, weiß ich noch nicht. Die Lieblingsserie gibt es nur von Montag bis Freitag. 🙂

1.142 (Vorarbeit) plus 1.675 (Text) = 2.817 Wörter, gar nicht so schlecht für den ersten Tag. Yes, we can! Zum Text selbst brauche ich am ersten Tag nichts zu sagen. Hier gilt die Devise: Einfach nur schreiben, die Wörter schaffen. Qualität kommt später bei der Überarbeitung… Oder so. Immerhin weiß ich, wo ich morgen weiter schreiben muss.

NaNo 1 NaNo 2  NaNo 4

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3 Jahre WordPress

Herrjeh, wir wissen alle, wie schnell die Zeit dahin rennt. Im November komme ich mit dem NaNoWriMo zurück: „Doppeltes Spiel“ wird der Arbeitstitel sein. Wenn es damit nicht laufen will, so Tage haben wir ja immer mal wieder, dann schreibe ich an einem Erfahrungsbericht [Arbeitstitel: Auf der Flucht], direkt aus dem Leben. Die meisten Follower gehören aber zum Blog Franzizickistrickt bzw. Gesocks und andere Wolltiere. Vielen Dank, egal, wer mir oder wem ihr folgt, ich freue mich über alle Kommentare. 🙂

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09.07.2013 (Vormittag)

Seit ein paar Tagen finde ich mich wieder hinein, ins Schreibleben. Die lange Pause, in der ich absolut überhaupt nichts zu Papier gebracht, nicht einmal entfernt an das Schreiben gedacht habe, ist vorbei. In den letzten Tagen habe ich mein Material gesichtet, viel gelesen und dabei die wunderbaren Thriller von Anthony E. Zuiker, zum Teil mit Duane Swierczynski, entdeckt. Band 1 [Dunkle Seele] und Band 2 [Dunkle Prophezeihung] hatte ich in zwei Nächten gelesen. Band 3 [Dunkle Offenbarung] lese ich aktuell, habe aber noch „Frauen“ von Steinar Bragi begonnen. Drei Bücher hintereinander von einem Autor(enteam) zu lesen, ist selbst für mich etwas zu viel. Außerdem schiebe ich zwischendurch „Ludmilla“ von Siegfried Lenz ein. In der Bücherei konnte ich nicht widerstehen.

Um wieder in den Schreibfluss zu kommen, hörte ich mir die Folgen „Thriller Brainstorming 1“ und „Thriller Brainstorming 2“ der SchreibDilettanten an. Sehr inspirierend, habe auch direkt mitgeschrieben, wie man das auf das eigene Projekt umsetzen könnte: Ideen, Namen, Orte (und mehr) gesammelt. Folge 3 höre ich mir heute Abend an.

Ohne Ziele geht nichts: Deshalb sollten es tägliche bzw. nächtliche 900 bis 1.100 Wörter werden. Das ist nicht das Maß des NaNoWriMo, bei dem man 1.667 Wörter täglich schaffen muss, um sein Soll zu erreichen. Also, ganz entspannt. 😉

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(Mittag)

Manche Texte klingen wie eine Melodie, man mag sich am liebsten darin verlieren, andere wiederum sind eine Aneinanderreihung von Sätzen, Fakten, die man so nicht lesen will. Alles Gelesene erzählt eine Geschichte, aber in völlig unterschiedlichem Klang.

* * * * * * * * *

(Abend)

Ich habe meine Idee weiter ausgebaut und begebe mich jetzt zum letzten Teil: „Thriller Brainstorming 3“. Ich bin gespannt.

 

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Weil ich gerade an der Einsendeaufgabe zum Genre Jugendbuch sitze, habe ich einen spontanen Besuch bei der örtlichen Bücherei eingelegt. Aufgekreuzt bin ich mit den Literaturhinweisen aus dem Genreheft Jugendbuch und musste feststellen, dass nur ein Buch aus der Liste vorrätig war, ein weiteres bestellt werden könnte. Eines gab es als Hörbuch, aber damit komme ich nicht zurecht, ich muss selbst lesen, beim Hören schlafe ich direkt ein. 😉

Bei der Gelegenheit bin ich ein paar Kilometer gelaufen, um meine Gedanken zu der Einsendearbeit zu sortieren. Zu viele Ideen, die nicht zusammen passen. Somit ist klar, dass ich die Einsendearbeit gestern nicht fertig gestellt habe. Es waren einfach zu viele Gedanken, die nicht kompatibel waren. Was aber nicht heißt, dass die Geschichte nicht am Mittwoch auf die Reise gehen könnte. Ich habe einen Einstieg gefunden, der auch zum angedachten Romanprojekt eine Brücke schlägt, d. h. dort untergebracht werden könnte, wenn ich dies denn weiter verfolge…

Gelesen:

Hinterhältig“ von Roderick Anscombe

Neu:

Verschwunden“ von Roderick Anscombe [Beim Anlesen des 2. Buches kamen mir die Personen bekannt vor. Ich bemerkte erst zu Hause, dass ich zwei Romane von einem Autor geliehen hatte…]

Knast“ von Joe Bausch

Der Psychologe“ von Asa Nilsonne

Lucas“ von Kevin Brooks

Snakeroot“ von Stephen Cole (es gibt noch zwei weitere Bände, die ich dort gelassen habe)

Warum sind die Tage und Nächte nur so kurz, dass die Zeit nicht für ALLE Bücher reicht, die man unbedingt lesen möchte? Leute lest, dann entgeht euch nichts. 

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Der stumme Vorwurf stand so laut im Raum, dass selbst er es nicht überhören konnte. Er wusste es und spürte es die ganze Zeit schon.

Ihre Gedanken waren nicht vor Ort. Seit wann eigentlich? Körperlich war sie anwesend, aber ihr Kopf wandelte auf eigenen Pfaden, zu denen er keinen Zugang mehr hatte. Sie war weit von ihm entfernt.

Früher auf dem Sofa, wenn sie ihren Tag Revue passieren ließen, fühlte er sich, als ob er alleine da sitzen würde. Im Hochsommer fröstelte es ihn, er sehnte sich nach einer warmen Decke und nach ihrer Umarmung.

Wann hatte er ihr das letzte Mal gesagt, dass er sie liebte? Wie lange war es her, dass er sie in den Armen gehalten, ihren Duft in sich aufgenommen hatte? Er wusste es nicht.

Es machte jetzt keinen Unterschied, er musste sie loslassen, ob er es wollte oder nicht, das hatten sie ihm mehrfach gesagt. Sie hätte einen anderen Weg gefunden, der sie glücklich machte, ihn aber nicht mit einschloss.

Tiefe Traurigkeit überkam ihn und er hatte Mühe, seine Tränen zurück zu halten. Jetzt nicht heulen! Trage es wie ein Mann! Auch wenn er sich das, fast wie ein Mantra, tagtäglich vorsagte, es klappte nicht. Niemand sollte ihn so sehen, mit rot verheulten Augen, wie ein kleines Mädchen, das nach der Mama heulte.

Mit zittrigen Fingern fummelte er eine Zigarette aus der Packung, klemmte sie zwischen die Lippen und zündete sie an. Wohliger Nebel verbreitete sich im Raum, den Geruch einer frisch angesteckten Zigarette liebte er über alles. Gleich nach ihr.

Heute war es endlich soweit. Sie wollte ihn besuchen, auch wenn sie seit einer Weile getrennt waren. Er hatte es akzeptieren müssen, es hatte ihn viele Nerven und einige seiner Nächte gekostet, in denen er besser geschlafen hätte. Es war nicht mehr rückgängig zu machen. Er musste nach vorne schauen, sich auf die Zukunft konzentrieren, auch das hatten sie ihm mehrfach gesagt. Diese ganzen Psychologen und Psychiater konnten ihn mal kreuzweise! Er wollte SIE!

Er hatte sich alles akribisch zurecht gelegt, was er ihr heute sagen wollte. Er musste ihr eindringlich seine Liebe gestehen und sie dazu bringen, dass sie auf ihn wartete. Jeder hatte doch eine Chance verdient! Oder nicht? Er hatte ein Gedicht nur für sie geschrieben, das ihr sicherlich gefallen würde. Kuchen oder gar Sekt konnte er ihr nicht bieten, aber er hatte eine Schachtel Kekse und löslichen Kaffee organisiert. Carlo war in dieser Beziehung nicht zu überbieten. Für ein paar Taler hielt der Wärter immer etwas für seine Schützlinge bereit.

Sie würde sicher erkennen, wie ernst es ihm war. Er drückte die Zigarette aus und wischte sich die Tränen aus dem Gesicht. In ein paar Minuten war es soweit…

Das sind die zwei Figuren, die dann in der Einsendearbeit für RO 06 [Dialoge I: Dialoge sind die Musik der Prosa] einen Dialog führen werden. Kann man erahnen, wer er ist und welche Beziehung ihn mit ihr verbindet? Zumindest aus seiner Sicht sollte die Lage klar sein. Ich freue mich auf Rückmeldungen und werde den Dialog bald folgen lassen. Ich fand es nicht notwendig sie näher zu skizzieren, da sich ihre Perspektive aus dem obigen Text von selbst ergibt. Schwerpunkt im Dialog liegt bei ihm.

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Ich bin gestern im Internet, als ich nach den Epochen und Gattungen geschaut habe, auf ein Büchlein gestoßen, von dem es eine kleine Leseprobe gab. Einmal in der Woche! hat unsere örtliche Bücherei geöffnet, von der ich dachte, dass es diese gar nicht gibt, und dort habe ich mir das Büchlein ausgeliehen. Zuerst musste ich für 5.- EUR einen Ausweis erstellen lassen, das ist es wert, weil ich sicher noch mehr ausleihen werde.

Schon auf dem Rückweg bzw. Umweg, ich musste noch an verschiedenen anderen Stellen vorbei, habe ich weitergelesen, was ich im Internet begonnen hatte. Dabei fiel mir wieder die „Heldin“ aus „Das Papierhaus“ ein, die ebenso auf dem Heimweg gelesen hatte und dabei überfahren wurde, aber dieses blieb mir erspart.

Ich bin sehr angetan, so eine schöne Schreibe, passend zum gestrigen sonnigen Tag und meiner Laune allgemein. Es sind 128 Seiten Novelle, natürlich schon ausgelesen, aber ~ ich werde genau an diesem Buch meine Erzähltext-analytischen Fähigkeiten üben. Das ist eine Novelle, die ich auch mehrmals gut lesen kann.

Das Buch: „Schweigeminute“ von Siegfried Lenz.

An dieser Stelle, mal wieder, von mir der Appell: Leute, lest, dann entgeht euch nichts! 🙂

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Elvira?“

War jemand am Briefkasten?“

Frau Sommer?!“

Frau Krämer-Müttig? – Die Fotos…“

Frau Sommer, wachen Sie auf!“

Sie kam nur langsam wieder zu sich. Elvira Sommer? Das war sie! In ihrem Kopf war alles schwarz, eine glatte Ebene, ohne Farben und ohne Widerstand. Sie blinzelte. Blaue Augen blickten ihr direkt ins Gesicht. Erschrocken wendete sie den Kopf zur Seite.

Dirk? Nein.

Elvira, kommen Sie zurück!“

Eine angenehme Stimme. Nicht zu laut, aber auch nicht zu fordernd. Genau das rechte Maß, das sie dazu bewegte, die Augen wieder zu öffnen und den Kopf dahin zu drehen, wo die Stimme herkam. Nach vorne. Das Gesicht war nicht mehr über ihrem, sie sah nur weiße Wände und die weiße Decke. Ein kleines Kruzifix aus Holz hing an der Wand auf der einen Seite, das sie gerade noch so im Blickwinkel hatte, ohne sich bewegen zu müssen.

Wo bin ich?“ flüsterte sie, aber eigentlich wollte sie es gar nicht wissen. Sie fühlte sich gut, außen war alles weiß, innen schwarz, sie verspürte keine Schmerzen. Es war gut so.

Aber jemand wollte, dass es nicht so blieb, rüttelte sanft an ihrer Schulter. Sie machte erneut die Augen auf, nur ein kleines Stück, um etwas zu erkennen. Vielleicht meldete sich die angenehme Stimme noch einmal?

Elvira?!“

Ja, da war sie wieder. Ob sie die Stimme bitten sollte, ihr etwas schönes zu erzählen? Vielleicht eine Liebesgeschichte? –

Dirk?

Er war ihr sehr nah, gegenwärtig, als ob sie sich gerade eben gesehen hätten.

Okay, Elvira, ich schaue in einer halben Stunde noch einmal nach ihnen.“

Sie fand es bedauerlich, wollte sie doch noch mehr von der Stimme hören, aber sie konnte sich nicht dazu bringen, ein weiteres Wort zu sagen. Was sagte man einer so angenehmen Stimme, die man nicht kannte, von der man nichts wusste, ausser, dass sie schön war?

Sie wusste gar nichts! Dirk? Wo befand sie sich? Und – wie war sie hierher gekommen? Weitere Fragen drängten sich ihr auf, aber sie hatte keine Antworten. Wo beginnen? Sie hörte, dass die Tür ins Schloss gezogen wurde.

Sie war alleine. Sie träumte bestimmt!

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Sie hatte sich einen Tag Urlaub genommen, ganz kurzfristig, denn in ihrer Wohnung sei eingebrochen worden, so sagte sie es der Sekretärin, die ihr Gespräch in der Schule entgegen genommen hatte. Nein, der Herr Direktor sei zu dieser Stunde noch nicht im Haus, da er heute keinen Unterricht geben musste, aber das wusste sie selbst. Sie bedauerte außerordentlich, dass sie nicht kommen könne, aber Frau Heller, die Sekretärin, hatte ehrliches Verständnis gezeigt. Zumindest hatte sie das Gefühl gehabt, das es echt war. Die Sekretärin gab ihr noch einige Ratschläge mit auf den Weg, wie sie sich nach einem Einbruch verhalten solle. „Haben Sie schon die Polizei gerufen? Lassen Sie sich ein Sicherheitsschloss einbauen. Sparen Sie nicht, Sicherheit geht vor!“

Jetzt saß sie am Küchentisch und grübelte herum, kam aber zu keinen Ergebnissen. Wer war heute Nacht oder am frühen Morgen in ihrer Wohnung gewesen, um sie zu fotografieren? Hatte er nicht genug Fotos? Wenn sich nicht bald jemand meldete, der seine Forderungen stellte, dann würde sie verrückt werden. Sie traute sich nicht hinaus, weder zum Einkaufen noch an den Briefkasten. Er konnte da draußen überall sein. In der Wohnung war er nicht! Diese hatte sie komplett abgesucht, bewaffnet mit dem Baseballschläger ihres Ex, das einzig Gute, das der zurück gelassen hatte. Sogar in den Spülkästen der beiden Toiletten hatte sie nachgesehen. Das war absolut lächerlich, aber sie musste es tun. Der Schläger stand neben ihr, angelehnt an den Stuhl. Zur Not, wenn einer in die Wohnung eindringen sollte, würde sie den einsetzen. Ein paar Luftübungen mit dem Schläger hatte sie schon ausgeführt. Beinahe hätte sie den Spiegel im Flur zerdeppert. Das konnte am Subjekt doch nicht so ein großer Unterschied sein?

Was Dirk wohl dachte, dass sie heute nicht in der Schule war? Sehnte er sich auch so nach ihr, wie sie sich nach ihm? Sie gäbe etwas, wenn er bei ihr wäre. Das würde ihr gleich ein besseres Gefühl vermitteln. Sie träumte sich, an ihrem Küchentisch verharrend, zurück zu den kleinen Abenteuern, die sie gehabt hatten und völlig unwichtige Sachen kamen ihr in den Sinn: Das goldene Herz, das sie ihm aus dem Kaugummiautomat gezogen hatte, die rote Haarspange, die er ihr mitbrachte, von seiner Schwester geklaut, Zuckerwatte essen, Sekt im Wald trinken, das Wellenrauschen, ihr erstes heimliches Treffen…

Erschrocken schaute sie auf die Uhr. Schon Mittag und immer noch keine Nachricht. Niemand hatte angerufen, weder zu Hause noch auf ihrem Handy, keine E-Mail war eingegangen, nichts. Der Briefkasten! Was, wenn draußen ein Brief lag? Sie konnte unmöglich mit dem Baseballschläger vor die Tür gehen. Wenn ihr die Krämer-Müttig aus der dritten Etage begegnete, die keinem geregelten Beruf nachging, was sollte sie der erzählen? Sie könnte sich, statt mit dem Baseballschläger hinaus zu gehen, ein Messer oder eine Schere in die Jackentasche stecken.

Sollte sie Frau Krämer-Müttig anrufen, ihr sagen, dass sie krank sei und sie zum Briefkasten schicken? Am besten auch gleich zum Einkaufen. Ein dicker Schal um den Hals gewickelt, die Stimme verstellt, so dass sie heiser klang, eine Leidensmiene aufgesetzt, dafür brauchte sie sich noch nicht einmal zu verstellen. Während sie den Kühlschrank nach Essbarem durchforstete, sie hatte noch nichts gegessen, überlegte sie diese Möglichkeit. Sie traute sich einfach nicht, jemand Bekannten, Kollegen oder Freunde anzurufen und diese einzuweihen. Ihre Mutter mit dem Thema zu behelligen, war auch tabu. Es war ja nicht ganz ohne, diese Beziehung mit Dirk.

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Ihr Schädel brummte, es roch nach Erbrochenem und ihr war schwindelig, bis zum Umfallen. Nein, umfallen konnte sie nicht mehr. Sie saß schon unten. Weit unten sogar, auf den Bodenkacheln ihrer Gästetoilette und übergab sich, würgte, bis nichts mehr kam. Der Hals kratzte erbärmlich und der Geschmack, den sie im Mund hatte, war nicht besser.

Weit draußen im Wald hatte sie sich sicher gefühlt, unbeobachtet von der Welt. In ihrem Zuhause auch. Das war ihre Festung, ihre sichere Burg. Dort kam nur sie hinein und die, die sie um sich haben wollte. Klingelte ein Vertreter oder sonst wer, machte sie einfach die Tür nicht auf. Die Leute gingen dann nach weiteren Klingelversuchen wieder weg. Länger als zehn Minuten hielt sich keiner vor einer Tür auf, die nicht geöffnet wurde.

Ob sie sich krank melden sollte? Das würde aber erst richtig auffallen, besonders wenn ihr Widersacher einer der Kollegen war. Sie brauchte unbedingt jemanden, mit dem sie reden, dem sie vertrauen konnte. Gab es da überhaupt irgendjemand?

Als sie der Meinung war, dass keine akute Gefahr bestand, ging sie zum Fenster und griff mit zitternden Händen nach dem, das dort am Rahmen klebte. Es war ein weiterer brauner DIN A-4 Umschlag, der Fotos enthielt. Die Bilder mit Dirk bei ihren Spielen im Wald waren schon mehr als pikant gewesen, boten ihr aber noch eine gewisse Distanz. Aber das, was sie hier zu sehen bekam, erschütterte sie zutiefst. Die Fotos waren neu, das erkannte sie sofort, sie selbst war darauf zu sehen. Sie lag in ihrem Bett mit demselben Nachthemd, das sie jetzt immer noch trug. Nicht genug, dass sich jemand in ihre Wohnung geschlichen hatte, sie in ihrem Bett fotografiert worden war, nein! Der Fotograf hatte sie aufgedeckt und ihr Nachthemd nach oben geschoben. So weit hoch, dass man deutlich den Slip sehen könnte, wenn sie denn einen getragen hätte, so starrte sie ihr kleines Dreieick an.

Panik breitete sich in ihr aus, kroch durch den ganzen Körper. Die Bilder waren auf den Boden geflattert und sie stürzte zur Toilette. Alleine schon der Gedanke, was er alles mit ihr hätte anstellen können, drehte ihr erneut den Magen um. Er hätte sie umbringen können und sie hätte es noch nicht einmal mitbekommen! Was passierte morgen?

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