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Ich bin in Verzug, habe etwas geschludert. Heute sind es wieder 5 Minuten mit den Wörtern: Freude, Fantasie, Oberfläche >>

Die dunklen Warzen ihrer kleinen Brüste durchstoßen die Oberfläche nur knapp. Routiniert scanne ich den Tatort mit meinem Blick Zentimeter für Zentimeter ab. Das Bad ist nicht sehr groß, kaum dass ich darin meine 120 Kilo hin und her zu bewegen kann, schon ecke ich am Waschbecken und am Klo an. Die Frau in der Badewanne, oder was von ihr übrig geblieben ist, liegt in der rötlichen Brühe, ich schmecke Rost auf der Zunge. Das ändert sich nie. Der Geschmack auf der Zunge kehrt immer wieder, wenn ich Blut sehe. Ich wende den Kopf zur Tür links. Katrin, meine Assistentin, hat heute ihren ersten Tag, hält sich mit einer Hand den Mund zu, die andere liegt auf ihrem Bauch. Kein schöner Einstand, gleich so eine Leiche sehen zu müssen, bei der der halbe Schädel mit einer Bratpfanne zertrümmert wurde und fast nichts mehr übrig ist. Das Tatwerkzeug hat der Täter zu meiner Freude gleich neben der Badewanne fallen gelassen. Das erleichtert mir die Arbeit ein Stück weit. Hoffentlich kotzt Katrin nicht auf meinen Tatort. Mit einer Handbewegung versuche ich sie von der Tür weg und nach draußen zu verscheuchen. Der Täter muss mordsmäßig sauer auf das Opfer gewesen sein, wie sonst soll man diese Sauerei hier erklären. Wahrscheinlich der Mann, Freund oder vielleicht der Sohn. Ich muss mir noch die Hintergründe des Opfers und deren Umfeld ansehen. Katrin bringe ich natürlich bei, dass sie keine vorschnellen Schlüsse ziehen soll, aber meine Erfahrung lehrte mich, dass bei solchen häuslichen Gewalttaten der Täter im engeren Umfeld zu finden ist. Ich stecke meine Handschuhe in die Jackentasche, ziehe meine Zigarettenschachtel heraus. Eine Kippe im Mundwinkel will ich an Katrin vorbei, sie schwankt jetzt. Ich packe sie an den Schultern und schiebe sie in Richtung Wohnungstür, weg von diesem unglückseligen Ort. Hoffentlich geht meine Fantasie mit mir durch und die Geräusche, die Katrin von sich gibt, sind nur eingebildet. Es würde mich schon sehr ärgern, wenn sie mir meine neue Jacke vollkotzen würde. 329 Wörter

 

 

Ich bin spät, habe zuerst alles erledigt und dann die Übung gemacht. Cool down sozusagen, statt warm up. 5 Minuten. 3 Wörter: Mathematik, Rose, Kopfschmerz >>

Ich gebe es zu, bin keine Leuchte in Mathematik, aber diesen Kurs muss ich besuchen. Nur wegen dem Dozenten. Halblange, gewellte, braune Haare, blaue Augen, kantiges Gesicht. Und ein Lächeln – zum Dahinschmelzen. Ich muss diesen Mann immerzu angucken, tue natürlich so, als ob ich mir mit dem Stift Notizen mache und die Vorlesung angestrengt verfolge. In Wirklichkeit hasse ich Mathematik. Wer braucht schon so viele komplizierte Zahlen?

Er lächelt von Zeit zu Zeit in meine Richtung. Er muss mich meinen, Juliane Liebig, denn vor, neben und hinter mir sitzen nur männliche Studenten. Bestimmt fragt er sich, warum ich als einzige Frau hier bin. Das ist mir egal, ich muss einfach hier sitzen, ihn sehen. Wegen mir muss er gar nicht reden, sein Anblick genügt mir vollkommen.

Andere Kurse, wie Literatur oder etwas für Frauen, gibt er nicht. Was für eine Verschwendung, dass solch ein Dozent nur für Männer Unterricht geben soll. Wir weiblichen Teilnehmer hätten so viel mehr davon!

Vor lauter Starren bekomme ich schon wieder diesen pochenden Kopfschmerz, direkt an der Schläfe, aber ich ignoriere es.

Am liebsten würde ich den Unterricht mit dem Handyvideo aufzeichnen. Das könnte ich mir Abend für Abend reinziehen und davon träumen, wie er mich zu einem Date einlädt, mir eine Rose überreicht und der Korken beim Schampus knallt, wenn er die Flache für mich öffnet. Auf einem weißen Pferd reiten wir später am Strand entlang, während die Wellen sanft um die Hufen des Tieres spülen. Die Sonne versinkt langsam hinter dem Horizont und ich schließe meine Arme um seinen durchtrainierten Körper, spüre seine Wärme, sie zieht durch meinen ganzen Körper.

Ein unüberhörbares Stöhnen entwindet sich meiner Kehle und ich sehe, wie er langsam auf mich zukommt. Jetzt fragte er mich, ob ich mit ihm…

Frau Liebig, können Sie die Aufgabe an der Tafel für alle erklären?“ 305 Wörter.

 

Heute gibt es wieder eine 5 Minuten Schreibübung und darin sollen Stift, Wasser, Telefon untergebracht werden, um vor dem eigentlichen Schreiben warm zu werden.

Danach soll das erste Kapitel am Projekt, von dem ich HIER berichtete, geschrieben werden. Wie viele Wörter schaffe ich im ersten Kapitel? Wir werden sehen, wenn ich so weit bin. Noch erstelle ich die Kapitel.

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Wie soll ich nur diese Rasselbande bändigen? Das ist eine private Einrichtung, in der nur gut betuchte Eltern ihre Kinder unterbringen können. Deshalb gibt es ja auch mich, damit ich die lieben Kleinen gesund und abwechslungsreich verköstige. Normalerweise bin ich für das kulinarische Wohl zuständig, kaufe ein, koche für 20 Kinder und mache die Küche anschließend wieder sauber, dann gehe ich heim. Sie beschäftigen und mit ihnen spielen muss ich in der Regel nicht.

Weil ich aber nie, aber auch wirklich nie, nein sagen kann, habe ich mich bereit erklärt, für ein paar Minuten nach den Kindern in unserem Hort zu sehen. Die zwei zuständigen Erzieher-Kolleginnen wollten nur mal kurz rüber zum Bücherladen, um ein Geschenk für die Chefin zu kaufen. Warum habe ich diesen Job nicht übernommen? Bücher stellen nichts an und geben keine Widerworte. Außerdem fragen sie nie, warum, schon gar nicht, zig-mal hintereinander.

Mein Blick irrt durch den Raum, ich weiß gar nicht, wo ich zuerst hin rennen soll. Nina steht am Regal, auf dem ich mein Handy abgelegt habe, und lässt selbiges gerade in einem Glas verschwinden, das natürlich mit Wasser gefüllt ist. Gerade schüttet sie noch Milch hinterher, rührt mit einem Kochlöffel um, den ich schon gesucht habe, der kaum ins Glas passt. Das Wassermilchgebräu schwappt über, ergießt sich auf die Unterlagen, die ich unter mein Telefon gelegt habe. Jörn-Hendrik schaut aus dem Fenster und bohrt sich mit einem Stift in der Nase herum. Roger und Marie-Hélène schneiden sich gegenseitig die Haare, aber nicht nur ein bisschen, so dass mir ganz Bange wird und ich sofort dorthin stürme, um ihnen die Scheren zu entwinden. Wie sollen meine Kolleginnen das später den Müttern erklären? Hoffentlich kommen die beiden bald zurück. 284 Wörter.

 

Jetzt geht es ans Eingemachte und wird komplizierter. Es gibt keine 5 oder 10 Minuten Schreibübung, sondern wir sollen die Timertechnik anwenden. Das Ganze dauert mehr als 5 oder 10 Minuten.

Was verbirgt sich dahinter?

Zuerst geht es darum, in 2-3 Sätzen zu formulieren, was in unserem (Roman)Projekt vorkommen soll. Daraus sollen wir eine Zusammenfassung schreiben, eine DIN A 4 Seite, maximal 300 Wörter.

So geht es weiter >>

Kapitelgliederung anlegen. Es sollen 10 bis 15 Kapitel werden. Jedes Kapitel bekommt eine eigene Überschrift in Form einer Frage: Was passiert hier? Was macht Figur X und Figur Y.


Wenn diese Struktur steht, beginnt die Timertechnik, jeweils Kapitel für Kapitel. Die Uhr auf 5 Minuten stellen und alles zu der jeweiligen Überschrift dazu aufschreiben. Man muss nur die Frage beantworten und schreiben, was einem dazu einfällt.


Sind die 5 Minuten um, wird die Antwort in 3-5 Unterabschnitte gegliedert. Den Wecker auf 30 Minuten stellen und das Kapitel komplett, Abschnitt für Abschnitt, schreiben.

 

Danach 5 Minuten Pause einlegen.


 

Es folgen 30 Minuten, um das zuvor geschriebene Kapitel zu überarbeiten. Sind die 30 Minuten um, lässt man das überarbeitete Kapitel ruhen. Sollte noch Schreibzeit übrig sein, startet man ein weiteres Kapitel.

Mein bisheriges Ergebnis >>

Bei meinem Projekt sind es 7 DIN A 4 Seiten geworden, den Inhalt grob zusammenzufassen. Die Geschichte habe ich von Hand in einem dafür angelegten Spiralblock notiert.

Die Wörter zähle ich nicht. Grob festgelegt habe ich bis jetzt 6 Kapitel, aber ohne Überschriften. Das müsste ich noch machen und auch die restlichen Kapitel erstellen.

Das passiert natürlich nicht alles an einem Tag, auch nicht die Kapitelerstellung. Gemäß Schreibtraining sollen es 10-15 Kapitel werden. Man muss nicht Adam Riese sein, um hochzurechnen, wie viele Stunden die 5 und die 30 Minuten zusammen ergeben, wenn man von 15 Kapiteln ausgeht, und die Pausen mit einrechnet. Somit müsste ich meine Ziele für die kommenden Wochen neu formulieren und den Gegebenheiten anpassen. 🙂

 

 

Morgen würden wir uns dann um das erste Kapitel kümmern. Den kostenlosen Kurs „Schreibgewohnheiten trainieren“ habe ich HIER gefunden.

 

Die 5 Minuten gestern waren bestimmt die Sonntagsverschnaufpause. Heute am Montag dürfen es wieder 10 Minuten sein, mit den Wörtern Mondschein, Kamera, Saurier.

Ich wollte diesen Job unbedingt haben! Aber der Chef, der alte Saurier, zog immer Arne vor. Männer schreiben sachlicher, pflegte er zu sagen. Ich solle lieber mit meinen Emotionen bei den Stars, Sternchen und den Promis bleiben. Das mochten die Leser. Ja, ich hatte viele Leser, die meinen Online-Berichten über diese Themen folgten. Aber ich wollte endlich mal richtige Nachrichten machen. Ich konnte auch sachlich, wenn mich der Saurier nur mal ran ließ. Arne grinste sich einen und setzte noch einen obendrauf: „Lerne erstmal mit der Kamera umzugehen, dann bekommst du sicher auch einen Nachrichten-Job.“

Am liebsten hätte ich ihm in seine Eier getreten und die Kamera hinterher geknallt. Natürlich machte ich nichts dergleichen, sondern lächelte nur und verzog mich an meinen Schreibtisch, versteckte meine Tränen hinter dem Monitor. Das fehlte mir gerade noch, dass mich der Saurier und Arne heulen sahen. Ich konnte mit meiner Kamera umgehen, hatte wunderbare Mondscheinfotos geschossen, für die ich sogar einen Preis eingeheimst hatte. Nur wussten die in der Redaktion nichts davon. Ich arbeitete lieber unter einem Pseudonym. Besser war das. Nicht, dass mir das auch noch zum Nachteil ausgelegt wurde.

Ich sollte die Redaktion wechseln, mich woanders bewerben und gleich einen aktuellen Nachrichtentext einreichen. Aber der Saurier, so wurde der Chef heimlich von allen genannt, hatte seine krummen Finger überall drin. Wenn der meine Bewerbung las, würde er mich bestimmt gleich feuern und dann hatte ich überhaupt keinen Job mehr. Die Miete zahlte sich schließlich nicht von selbst und essen musste ich auch hin und wieder. Obwohl der Saurier oft sagte, dass ich wie ein Hungerhaken aussehe. Ich glaube, er mochte das aber, denn er stierte mir immer wieder auf den Körper, ließ seinen gierigen Blick an meinem Hals, über den Busen, an den Beinen entlang wandern, wenn er in unser Redaktionsbüro kam. Fehlte nur noch, dass er sabberte.

Wenn er nicht so ätzend wäre, hätte ich seine Einladung zum Abendessen vielleicht doch angenommen. Das würde mir alle Türen öffnen. Aber wollte ich das? Natürlich nicht! Ich wollte mit meinen Reportagen über Fakten, Daten und korrekte Zahlen bekannt werden, mich nicht nach oben schlafen. Dazu die passenden Fotos liefern. Zu Themen, die die Welt interessierten, nicht über It-Girls und Püppchen, die Art Nachrichten, die man im Wartezimmer seines Arztes oder beim Frisör las und über die man dann plauderte. Nicht, weil es interessant wäre, sondern, weil man das eben so machte. Es war vertrackt! Aus diesem Redaktionshamsterrad kam ich nie raus!

Vielleicht sollte ich mir einen ganz anderen Job suchen oder einen anderen Beruf lernen. Noch war ich jung, relativ gesehen, und konnte von vorne beginnen. Mein Vater hatte recht gehabt, als er damals sagte, ich solle etwas ordentliches machen und nicht so eine brotlose Kunst ausführen, von der man nicht gescheit leben konnte. Das Wissen half ihm jetzt nicht, denn er war schon lange tot. Mir half es aber auch nicht weiter… 481 Wörter.

 

 

Heute, am Tag 14, sollen es nur 5 Minuten sein. Die drei Wörter, die im Text untergebracht werden sollen, lauten: Analyse, Bank, Gesundheit.

Ich trat gegen die verwitterte Bank. Ich war so wütend. Und ich war sauer, nicht nur auf meine Mutter, sondern auch auf mich selbst. Wie oft hatte ich ihr am Telefon gesagt, sie solle auf sich und ihre Gesundheit achten. Die Analysen Ihres Blutes und der anderen Untersuchungen waren eindeutig. Die Diagnose und die Prognose ihrer Lebenserwartung der Ärzte auch.

Sie müsse langsam machen, weniger arbeiten, an sich denken, hatte ich ihr oft gesagt. Was nutze ihr all das viele Geld, wenn sie am Ende unter der Erde war.

Ich hätte nach Hause kommen sollen, um meinen Worten mehr Nachdruck verleihen zu müssen und um mich persönlich darum zu kümmern, dass sie auf sich achtete. Aber auch ich war immer zu beschäftigt, um es in die Realität umzusetzen.

Ich drehte mich wieder zum Grab um. Jetzt lag sie tatsächlich hier unter der Erde, in einem weißen Holzsarg, der mit blauem Samt ausgeschlagen war. Samt mochte sie gerne, Blau war ihre Lieblingsfarbe. Aus ihrem Kleiderschrank wählte ich ihr Lieblingsoutfit, einen dunkelblauen Rock und eine hellblaue Bluse, das man ihr anziehen sollte. Der Bestattungsunternehmer hatte zu allem, was ich sagte oder verschlug, verständnisvoll genickt.

Es hatte für mich keine Gelegenheit mehr gegeben, mich von ihr zu verabschieden, weil ich einfach zu weit weg wohnte, um mal eben schnell vorbei kommen zu können. Ich musste mit der toten Frau vorlieb nehmen, die zwar die Kleidung meiner Mutter trug, bei der ich aber nicht das Gefühl hatte, dass sie es auch war. Der Bestattungsunternehmer hatte seine Leute angewiesen, nur einmal kurz den Sargdeckel zu öffnen, damit ich einen Blick hineinwerfen konnte. Er blieb auch dann souverän, als ich ihn anschrie, dass ich mehr Zeit brauchte.

Behalten Sie sie in Erinnerung, wie Sie sie zuletzt gesehen haben. Nach einem Autounfall sehen die Menschen oft nicht mehr so aus, wie wir sie kennen.“

Ich heulte das Grab an, bei dem noch der Grabstein fehlte, machte ihm stumme Vorwürfe. Jetzt war es zu spät, etwas zu tun. 331 Wörter.

 

 

Tag 13. 10 Minuten. Drei Wörter: Rotwein, Anker, Fenster >>

Wütend knallte ich das Telefon auf den Tisch. So ein Schwein! Machte einfach am Telefon mit mir Schluss. Vor ein paar Tagen säuselte er mir noch vor, wie bezaubernd ich aussehe, wie gerne er mit mir zusammen sei, welch‘ wunderbaren Haare ich hätte – und jetzt das!

Ich schaute aus dem Fenster, das sich gegenüber meines Schreibtisches befand. Am liebsten würde ich den Anker, den ich von meinen Eltern bekommen hatte und der sicher 5 Kilo wog, vom Schrank herunter reißen und hinaus werfen. Oder Jan an den Kopf donnern. Dann wäre Ruhe und ich müsste mir keine Gedanken darüber machen, mit wem er jetzt zusammen war und wem er nun diese liebreizenden Worte, die für mich keinen Sinn mehr ergaben, flüsterte. Dabei wollten wir zusammen ziehen, machten Zukunftspläne und Kinder kamen darin auch vor.

Wenn ich recht darüber nachdachte, wollte ich mit ihm zusammen ziehen und von ihm Kinder haben. Spielte das eine Rolle? Er sagte zu allem ja, war begeistert, sah zumindest so aus und der Sex mit ihm war umwerfend. Er kannte jede Stelle meines Körpers, wusste genau, wie er mich zum besten Orgasmus bringen konnte. Kannte er von jeder Frau diese Stellen?

Ich musste würgen. Schnell stand ich auf und rannte Richtung Klo. Aber es war blinder Alarm. Ich bog in die Küche ab und nahm mir die Flasche Rotwein von der Anrichte. Ich schenkte ein Glas voll bis oben hin und trank es in einem Zug leer, füllte gleich wieder nach.

Jan konnte mich mal! Später würde ich Susi anrufen und ihr erzählen, was Jan für ein Arsch war. Der hatte mich gar nicht verdient. So einen wollte ich nicht. Susi würde mich verstehen. Schon immer sagte sie zu mir, dass Jan nicht zu mir passte. Ich trank das Glas erneut leer, füllte auf. Ich schaute auf die Digitaluhr am Herd, konnte die Zahlen aber nicht entziffern. Herrgott, wie spät war es denn? Ich machte mich auf den Weg ins Wohnzimmer, dort hing eine große Bahnhofsuhr. Leicht schwankend, mich an den Wänden und am Türrahmen festhaltend erreichte ich den Wohnraum. Es war später Nachmittag, 17 Uhr. Ein Schluck Wein am Vorabend konnte nicht schaden, besonders in dieser speziellen Situation. Also schlurfte ich zur Küche und zum Rotwein zurück. Das Glas zitterte verdächtig in meiner Hand. Ich packte es mit beiden Händen und setzte an und musste mich schütteln.

Eigentlich schmeckte mir das Zeug gar nicht. Ich trank es nur Jan zuliebe, der mir einen endlosen Vortrag über Rotwein und dessen Vorzüge gehalten hatte. Schnell kippte ich den Inhalt des Glases in die Spüle. So etwas musste ich nicht haben. Schon gar nicht, wenn es Jan gut fand. Nie mehr Rotwein oder Alkohol überhaupt. Ich ging mit unsicheren Schritten zum Kühlschrank, öffnete die Tür, fand aber keine weiteren verdächtigen Getränke darin. Ich brauchte einen Kaffee, damit mein Kopf wieder klar wurde. Gleich würde ich Susi anrufen und wir würden uns einen tollen Mädelsabend ohne Jungs und Alkohol machen. Vielleicht hatte Becky ja auch Zeit. 498 Wörter.